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Therapiekonzepte

Grundlagen

Im Mittelpunkt unserer Behandlungsplanung steht der Patient. Entsprechend der Erkrankung und den individuellen Besonderheiten wird bei Aufnahme in unser Haus ein individueller Behandlungsplan erarbeitet. Dabei haben wir den ganzen Menschen im Blick und sehen die biologische, psychische und soziale Dimension der Erkrankung, die „bio-psycho-soziale Einheit“.
Dementsprechend besteht die Behandlung aus einem Zusammenwirken von Psychotherapie, Spezialtherapien wie Ergo-, Musik- oder Bewegungstherapie sowie der psychiatrischen Pflege, sozialtherapeutischer Unterstützung und medikamentöser Behandlung.

Um eine kontinuierliche Bezugsperson in der Pflege zu gewährleisten, haben wir das Bezugspflegesystem eingeführt. Pflege ist Hilfe zur Erhaltung, Anpassung oder Wiederherstellung der physischen, psychischen und sozialen Funktionen und der lebenspraktischen Fähigkeiten. Sie fängt dort an, wo Einschränkungen im Alltag erkennbar sind und hat das Ziel, mit dem Patienten gemeinsam eine größtmögliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von fremder und professioneller Hilfe für ihn zu erreichen. Wir orientieren uns an den Möglichkeiten und Ressourcen des Einzelnen, die vorhandenen Selbsthilferessourcen fördern wir unter Einbeziehung des bestehenden sozialen
Netzwerkes.

Durch den Neubau „Haus-Dietrich-Bonhoeffer“ haben wir nun die Kapazitäten, die gemeindenahePsychiatrie für Reutlingen und Umgebung zu realisieren. Wir sind ein Teil des gemeindepsychiatrischen Verbundes und sehen uns in der Pflicht, neben den vollstationären auch ambulante Angebote und tagesklinische Behandlungen vorzuhalten; zu der seit 15 Jahren bestehenden Tagesklinik ist seit 01.01.2011 auch eine Tagesklinik für Ältere Menschen hinzugekommen. So kann sicher gestellt werden, dass unsere Patientinnen und Patienten die Behandlungsintensität bekommen, die sie benötigen.

 

Die sieben Stationen haben unterschiedliche Schwerpunkte

Die neu eingerichtete Depressionsstation bietet Menschen mit schweren Depressionen ein verhaltenstherapeutisches Therapieangebot, in dem neben der wichtigen Entlastung in der akuten Erkrankung gezielt positive Aktivitäten gefördert, depressive Gedanken bearbeitet und belastende Lebensereignisse aufgearbeitet werden. In der Psychoedukation wird ein Krankheitsmodell erarbeitet, das ein konstruktivbewältigendes Krankheitsverständnis vermittelt.
Psychoedukation, psychotherapeutische Einzelgespräche, Bezugspflege, Angehörigenarbeit, Klärung
sozialer Fragen und die geeignete medikamentöse Behandlung spielen auf allen Stationen eine wichtige Rolle, so auch auf den drei allgemeinpsychiatrischen Akutstationen, auf denen Menschen mit akuten psychotischen Störungen, Krisen oder auch längerfristigen Erkrankungen mit komplexen Hilfebedarf behandelt werden. Die Stationsteams haben – zusätzlich zur allgemeinpsychiatrischen Behandlung – unterschiedliche Kompetenzschwerpunkte.
Sie bieten für alle Patienten hausübergreifend spezialisierte Gruppenbehandlungen an:

  • Umgang mit einer erstmaligen psychischen Erkrankung, Krankenhausaufnahme
  • Umgang mit einer längeren Erkrankung und einem umfassenden Hilfebedarf
  • Umgang mit Lebensübergängen, die „Jungen Alten“
  • Spiritualität im klinischen Alltag

Neben psychotherapeutischen Gruppengesprächen gibt es spezialisierte Pflegeangebote, Ergotherapie, Bewegungs-, Reit- und Musiktherapie, Entspannungsübungen und alltagspraktisches Training.
Ein weiterer neuer Schwerpunkt der Klinik ist die psychosomatische Station „SINOVA“. Bei der Behandlung dieser Patientinnen und Patienten ist die unmittelbare Nähe zum Kreisklinikum hilfreich, um über Konsile und Konferenzen eine enge Vernetzung zwischen der Somatik und Psychotherapie zu erzielen, um immer in beide Richtungen psychosomatisch und somatopsychisch verursachte Krankheitsbilder adäquat und ursachengerecht zu behandeln.

Am Standort „Bettenbau West“ am Kreisklinikum hat sich die alterspsychiatrische Station nun zu einer „Demenzstation“ spezialisiert, auf der neben der diagnostischen Klärung, der Behandlung von möglichen körperlichen Ursachen der Erhalt der Selbstständigkeit oder die Vermittlung in geeignete Hilfen im Vordergrund steht. Ergänzt wird dieses stationäre Angebot durch eine „Memory Clinic“, in der ambulant beginnende Hirnleistungsstörungen abgeklärt werden können.
Ältere depressive Menschen haben in der Tagesklinik für Ältere Menschen ein Behandlungsangebot,
das so viel Selbstständigkeit wie möglich fördert und erhält.
Ebenfalls am Standort „Bettenbau West“ befindet sich die neu eingerichtete Station für Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung. Sie ist ein Teil des regionalen Suchthilfenetzwerkes und bietet einen qualifizierten Entzug an, eine sichere Entgiftung mit anschließender Motivationsbehandlung und Vermittlung in weitere Hilfen.